ETAPPE 2A – DAS ZITTERN (ca. 4 Minuten)

(Schließe sanft die Augen oder lass sie weich werden.) Der Körper – hat Gewicht. Grenzen. Haut. Du kannst ihn spüren, wenn du willst: Schultern. Stirn. Füße. Spüre, dass sie „da“ sind. Und jetzt – lass los, was du „deinen Körper“ nennst. Nicht ablehnen. Nur lösen. Wie Kleidung, die du nicht brauchst. Stell dir vor: Du bist nicht begrenzt. Nicht abgeschlossen. Du bist offen – wie eine Fläche, eine Haut aus Licht. Jetzt kommt kein Gefühl. Kein Schmerz. Kein Glück. Kein Urteil. Was kommt, ist feiner. Leiser. Zarter. Ein Zittern – nicht sichtbar, doch spürbar. Ein leiser Strom durch den Brustkorb. Ein Kribbeln hinter den Augen. Ein Flattern in den Händen. Ein Hauch – vielleicht nicht mal deins. Spür: Es geschieht. Nicht, weil du etwas tust. Sondern, weil du bist. Nicht du zitterst – das Zittern findet dich. Der Körper steht. Aber der Leib fließt. Der Körper hat Hände. Aber der Leib – ist das Berührtwerden. Der Körper stirbt. Doch der Leib? Er zieht sich nur zurück – wie Wasser aus Sand. Lass das Zittern da sein. Kein Griff. Kein Name. Kein Ziel. Nur dies: Du bist offen. Du bist das Geschehen. Atme langsam und tief ein. Atme langsam und vollständig aus. Dann – lass deine Augen sanft aufgehen. Und bleib noch einen Moment in dieser Offenheit.

Kommentar zu Etappe 2A – Zittern

Das Zittern ist kein bewusstes Erzeugen, sondern ein Widerfahrnis – ein feines, unsichtbares Erbeben des Leibes. Hier wird der Körper nicht mehr als Grenze erlebt, sondern als durchlässige Fläche, auf der Berührung geschieht. Das Zittern deutet an, dass Spüren nicht von uns ausgeht, sondern uns findet. Diese Etappe entkoppelt die Erfahrung von jedem Tun und öffnet den Weg zur atmenden Wende.
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