Sentimentale Guerilla

Ich bin nicht cool. Ich bin vibrierender Widerstand. Fleischgewordener Aufstand gegen die Gefühlskälte dieser Zeit. Seit Jahrhunderten nennt ihr Sentimentalität Schwäche. Rührseligkeit. Unvermögen. Eine Lüge der entseelten Ökonomie, die uns zu Maschinen dressieren will. Ich reiße die Begriffe auseinander. Nicht um sie zu beerdigen – um sie mit Blut zu füllen und zurück in den Kampf zu schleudern. Sentire – das Zittern der Haut. Mental – der Geist, der sich nicht zähmen lässt. Kein Kitsch. Eine Waffe. Bewaffnete Empfindsamkeit. Ich sprenge den eisigen Kern des Spätkapitalismus. Ich wandere durch Ruinen, heimatlos, unter verbrannten Dachbalken der alten Sinnsysteme. Nietzsche tötet Gott. Heidegger wirft mich. Camus erklärt mich absurd. Zurück bleibt nur eine Brandwunde, lodert in meinen Knochen. Camus schrieb (an Maria Casares): „Deine Abwesenheit schmerzt in meinen Knochen.“ Kein poetisches Beiwerk. Phänomenologischer Widerstand. Mein Körper ist kein Gefäß. Er ist ein Schlachtfeld. Schmerz drückt meine Rippen. Sehnsucht spannt sich zwischen zwei Leibern. Liebe ist elektrischer Schlag auf nackter Haut. Revolution beginnt nicht im Kopf. Sie beginnt dort, wo das Absurde schmeckt – in meinem zuckenden Fleisch. Heidegger sah Tod. Ich wähle Geburt. Natalität – Guerilla-Akt gegen Sinnleere. Jeder Kuss: Invasion. Jedes Versprechen: Brückenkopf im Feindesland. Mein Leib ist kein abgeschlossenes Ich. Er ist Störsender. Funkenwerfer. Generator der Empfindung. Ihr nennt uns Mangelwesen. Ich bin Überschusswesen. Schwanger von Anfängen. Sartre sah in den Anderen die Hölle. Ich sehe in meiner Verwundbarkeit verborgene Freiheit. Verletzlichkeit ist Resonanz. Bindung – Freiheit in Moll. Ein Versprechen – leiblicher Trotz. Mein Körper – kein Bollwerk. Poröses Grenzland. Atmosphären strömen ein, strömen aus. Wahre Rebellion ist Offenheit. Und ich führe sie als Waffe. Ich fordere Rückeroberung der Empfindung. Intellekt als Blutstrom. Ich stürme die Festung des Rationalen mit durchbluteten Syllogismen. Ich sprenge Distanz in Stücke, bis Denken und Fühlen nicht mehr zu trennen sind. Ihr nennt mich sentimental? Gut. Ich bin Partisan der Zärtlichkeit. Barfuß marschiere ich über Scherben der Transzendenz und pflanze in jede Wunde einen Garten. Die Welt wird brennen. Und ich werde singen.
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