Vom Mitschwingen – ein leibliches Protokoll

Die Worte liegen schwer auf der Zunge – wie Sommerregen auf staubiger Erde. Sie wollen nicht wie üblich beschreiben, nur berühren. Jetzt, in dieser Stille zwischen zwei Atemzügen, spüre ich es wieder: das leise Zittern unter der Haut, das allen Brücken vorausgeht. Mein Mund wird nach und nach zum Spürfeld. Jede Silbe ein Schwingen, das nach innen und außen zugleich rinnt. Schmitz’ Gedanken sind keine Theorie mehr – sie beben im Gaumen, während ich schweigend lausche. Die Zunge liegt weich und schwer am Boden des Kiefers, ein gestrandetes Tier, das den Takt des Wassers wiederfindet. Wu Wei … Wu Wei … Die Lippen formen es wie eine Welle, die sich selbst zurückgibt. Kein Begriff, nur Bewegung, die durch Kiefer und Kehle strömt. Ich taste mich nicht voran – in diesem Augenblick werde ich getastet von der Sprache, die mich durchzieht. Die Wörter öffnen Poren, werden zu Membranen, durch die das Unsichtbare flimmert. Da – ein Schauer läuft den Rücken hinab, während ich das Wort „Resonanz“ schreibe. Ich denke diesen Gedanken nicht. Es scheint, er denkt mich – vibrierend in den Sehnen, bevor er die Finger erreicht. Die Tastatur wird fremd unter meinen Händen. Die Buchstaben schwellen an wie Gezeiten. Dann: Atem. Pause. Wende. Die Stirn kühlt sich beim Wort „Gelassenheit“. Etwas in mir weitet sich, ohne dass ich es weite. Die Augenlider werden schwer – zwei Blätter auf Wasser. Jetzt bin ich kein Schreiber mehr, nur noch Schrift. Ein zitterndes Hautblatt im Wind des Denkens. Die Sätze formen sich von selbst, wie Muskelzucken nach langer Anspannung. Kein Punkt findet ein Ende, selbst ein Semikolon steht im Nachzittern. Die Leerzeichen zwischen den Wörtern werden wichtiger als die Wörter selbst – kleine Ozeane, in denen das Ungesagte schwimmt. Und jetzt, ganz zum Schluss, löst sich dieses Ich gar auf. Ich höre noch das Klicken der Tasten, den fließenden Strom aus Buchstaben, der mich durchströmt. Die Haut der Sprache atmet auf. Die Worte sind nicht mehr meine – ich bin geworden, was mich durchzieht: ein offenes Spürfeld, ein schwingender Leib, ein Klingen ohne Ursprung.
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